18. Mai 2014 Dr. Ilse Lauter

Wählen gehen?

Immer wieder erfahre ich Skepsis, wenn es um die kommenden Wahlen geht. Das häufigste Argument für eine Nicht-Wahl lautet dabei „Es ändert sich ja sowieso nichts“.

„Es ändert sich ja sowieso nichts“?
In meinem Wahlkreis Grünau hat sich in den vergangenen zehn Jahren so manches getan.

2004 und 2005 stand ich als Grünauerin mit einem Transparent „Stadtumbau – so nicht!“ vor der Abrissbirne. Viele mussten mit ansehen, wie große Wohnungsgesellschaften intakte Hochhäuser zerstörten, die mit Fahrstuhl und Balkonen ausgestattet waren. Die Förderpolitik des Freistaates sorgte dafür. Wir haben dafür gestritten, dass den betroffenen Nutzern eine sichere Perspektive in Grünau angeboten wurde. Denn die meisten wollten nicht weg von hier. Doch Grünau war das ungeliebte Schmuddelkind der Stadt, und manch Stadtplaner wollte lieber die leeren Häuser der großen Ausfallstraßen mit Mietern füllen. Und manche Wohnungsgesellschaft nutzte die Fördermittel, um woanders schicke Häuser hinzustellen, die teurer vermietet werden konnten als der Plattenbau. Was kümmerte da schon der Wunsch der eigenen Mieter oder Genossenschafter.

Und heute, zehn Jahre später?
Vermieter haben inzwischen die Möglichkeiten erkannt, die in einem naturnahen, grünen, gesunden und familienfreundlichen Stadtteil liegen. Die Standorte werden durch individuelle Lösungen aufgewertet. Es gibt wieder Zuzug nach Grünau. Mit dem „Theatrium“ ist ein kulturelles Kleinod im Herzen Grünaus entstanden. Die S-Bahn verbindet Grünau wieder mit der Innenstadt.

Ist das alles etwa von allein gekommen?
Dafür haben auch Grünauer Stadträte gekämpft. Mit Anträgen, Haushaltanträgen und Anfragen. Mit Bürgersprechstunden, Pressearbeit und Vor-Ort-Besuchen. Und sie müssen es weiter tun. Denn noch sind Grünauer Schulen und Kitas vernachlässigt. Noch gibt es Schmuddelecken und verfallende Gebäude in Grünau. Noch ist Grünau in den Augen mancher Stadtväter ein eher ungeliebtes Kind.

Was kann man dagegen tun?
Ein Rechenexempel mag das belegen: Im Rathaus sitzen siebzig Stadträte. Es gibt zehn Wahlkreise. Also durchschnittlich sieben pro Wahlkreis. Das hängt aber von der Wahlbeteiligung im Wahlkreis ab. Grünau hatte 2009 mit knapp 36 Prozent die niedrigste von ganz Leipzig. Und das Ergebnis? Für Grünau waren nur vier Mitglieder im Stadtrat, darunter der völlig unzulängliche CDU-Kandidat. Wir hatten es entsprechend schwer, das Interesse auf Grünau zu lenken oder Mehrheiten zu schaffen. Aber Grünau braucht eine Lobby im Stadtrat. Und hat das allemal verdient.

Damit sich da etwas ändert, hilft nur eins:
Wählen gehen.

Kategorien: Demokratie, Stadtrat, Grünau

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